Symbolbild Gesundheitsschutz Rückenschmerzen

Wie Sie Ihre Leistungsfähigkeit über den Arbeitstag hinweg erhalten

Gesundheitsschutz beim Heben und Tragen

Das Heben und Tragen schwerer Lasten gehört in vielen Berufen zum Alltag. Dabei beansprucht diese Tätigkeit den gesamten Bewegungsapparat. Ein hoher Prozentsatz der berufstätigen Erwachsenen in Deutschland hat diesbezüglich bereits schmerzhafte Erfahrungen machen müssen. Kommt es zur Überforderung der Skelettmuskulatur, kann die Beweglichkeit schnell eingeschränkt sein. Eine Überlastung der Wirbelsäule führt zu Schmerzen und Störungen, manchmal auch zu langfristigen Veränderungen und Schädigungen. In vereinzelten Fällen kann dies sogar eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge haben. 

Gesetzliche Regelung

Um schwerwiegende Fälle gesundheitlicher Beeinträchtigung zu vermeiden, gilt eine gesetzliche Begrenzung der Lastgewichte. Diese hat der Gesetzgeber bereits 1996, mit der Verordnung zur Umsetzung der EU-Richtlinie 90/269/EWG, festgelegt. In der Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der manuellen Handhabung von Lasten bei der Arbeit, kurz: LasthandhabV, wird jedes Bewegen einer Last genau geregelt. Dazu gehören das Befördern und Abstützen einer Last durch menschliche Kraft sowie das Heben, Absetzen, Schieben, Ziehen und Tragen.

Optimierte Arbeitsbedingungen und Bereitstellung technischer Hilfsmittel

Laut Gesetzgeber sind die Arbeitsbedingungen seitens des Unternehmens so zu gestalten, das die gesundheitliche Gefährdung der Beschäftigten möglichst gering ausfällt. Der Arbeitsplatz des Beschäftigten und die Arbeitsumgebung sind so zu gestalten, dass er seine Tätigkeit ergonomisch günstig ausführen kann. Das bedeutet, der Mitarbeiter muss in die Lage versetzt werden, Lasten mit der richtigen Körperhaltung heben, tragen, ziehen oder schieben zu können.

Unnötige Belastungen sind zu vermeiden. Denn die Muskulatur erzeugt bei jeder Belastung die entsprechende Gegenkraft. Darum ist die körperliche Verfassung des Beschäftigten bei der manuellen Handhabung von Lasten maßgeblich. Ein trainierter Mitarbeiter bewältigt eine Hebe- oder Tragetätigkeit in der Regel leichter als ein untrainierter. Je nach Alter und Geschlecht gibt es diesbezüglich Empfehlungen und Grenzlasten. Werden diese überschritten, müssen geeignete Transportmittel sowie Hebe- und Tragehilfen, wie etwa Schlauchheber oder Vakuumheber, zum Einsatz kommen.

„In der ersten Hälfte unseres Lebens opfern wir unsere Gesundheit, um Geld zu erwerben, in der zweiten Hälfte opfern wir unser Geld, um die Gesundheit wiederzuerlangen.“
Voltaire (1694 – 1778), französischer Philosoph

Belastung oder Überlastung - wie viel ist zumutbar?

Es ist kaum möglich Hebe- und Tragetätigkeiten pauschal zu bewerten, ohne vorher eine ausführliche Begutachtung der Tätigkeiten und des Arbeitsplatzes vorgenommen zu haben. Die Untersuchung folgender Faktoren kann weiterhelfen.

1. Die Bedeutung der Körperhaltung

Die Körperhaltung ist beim Heben von Gewichten von zentraler Bedeutung. Als optimal wird eine senkrecht wirkende Kraft oder Druckkraft betrachtet. Diese wird von der Wirbelsäule besser aufgenommen als horizontal einwirkende Kräfte.

2. Nähe oder Entfernung zum Objekt

Wird ein Gewicht so gehoben, dass der Abstand zwischen dem gehobenen Gegenstand und dem Körper groß ist, entstehen sogenannte Scherkräfte. Um eine solche einseitige Belastung zu vermeiden, wird empfohlen, keine größere Entfernung zwischen dem zu hebenden oder zu tragenden Objekt aufkommen zu lassen. Stattdessen sollten die Bewegungen möglichst körpernah ausgeführt werden. Vom Heben oder Tragen mit nur einem Arm wird unbedingt abgeraten. Ein einfaches Beispiel hierfür geben Jugendliche ab, die ihre Schultasche oft lässig über die Schulter hängen lassen. Am Abend schmerzt dann der Rücken. Einseitige Belastungen verursachen fast immer Schmerzen.

3. (K)ein guter Dreh

Muss man sich unmittelbar nach dem Hochheben drehen, ist Vorsicht geraten. Drehbewegungen, die beim Heben oder Tragen ausgeführt werden, belasten die Wirbelsäule zusätzlich. Man spricht in diesem Fall von Torsionskräften, die negativ auf den Bewegungsapparat einwirken.

4. Ab und an oder jeden Tag

Wie oft und wie lange man heben und tragen muss, ist entscheidend. Handelt es sich um Arbeitsvorgänge, die im Berufsalltag regelmäßig wiederholt werden, liegt die Gesamtbelastung höher als bei gelegentlichem Heben und Tragen schwerer Lasten. In diesen Fällen sollte die Verwendung von Hilfsmitteln, wie Vakuumhebern, als selbstverständlich gelten. Vakuumheber gibt es in unterschiedlichen Ausführungen, je nachdem, wie schwer die zu hebenden Lasten ausfallen. Saugheber und Schlauchheber vereinfachen das Heben von Lasten von bis zu mehreren Hundert Kilogramm.

5. Besser aufgewärmt und gut gekleidet

Die Umgebungstemperatur ist beim Heben ebenfalls maßgeblich. Vor allem Kälte ist problematisch. Bei Arbeiten im Freien oder in gekühlten Räumen ist die menschliche Muskulatur im Allgemeinen weniger belastbar als in einer warmen Umgebung. Vor einer Hebe- oder Tragbewegung kann es daher hilfreich sein, sich vorher ein wenig aufzuwärmen. Ein weiterer Faktor ist die richtige Bekleidung des Beschäftigten. Vor allem dem Schuhwerk wird eine bedeutende Rolle zuteil.

Grafik zum richtigen Heben und Tragen

Beim Heben sollte der Rücken möglichst gerade sein, die Last wird gleichmäßig aus Knie- und Hüftgelenk gehoben. Der Schwerpunkt der Last liegt dabei möglichst nahe am eigenen Körperschwerpunkt. Wenn möglich sollten Hilfsmittel zum Heben genutzt werden.

Wenn trotzdem gehoben und getragen werden muss

Es kann immer wieder vorkommen, dass auch in einem Betrieb, in dem eigentlich keine Lasten bewegt werden, vorübergehend Lasten zu heben und zu tragen sind. Stellen Sie sich ein Büro vor, bei dem zu Jahresbeginn dicke Aktenordner umsortiert oder Geräte wie Fax und Drucker umgestellt werden müssen. Das manuelle Heben und Tragen von Lasten nicht immer vollständig vermieden werden. In der Praxis nützt es dem Mitarbeiter, vorher ein zielgerichtetes Training zu absolvieren, bei dem er lernt, Lasten auf richtige Art und Weise zu heben. Mitarbeiter sollten mindestens einmal jährlich bezüglich rückenschonender Arbeitstechniken und Hebe- oder Trageverfahren unterwiesen werden. 

Mehr Beinarbeit, lieber zweimal gehen

Beim Anheben ist es besser, die Bein- und Armmuskulatur zu belasten. Das Anheben sollte möglichst mit gestrecktem Rücken durchgeführt werden. Beugt man sich beim Heben, bedeutet das eine ungleich größere Belastung der Wirbelsäule. Lasten werden am besten körpernah transportiert. Es ist einfacher und effektiver nicht alles auf einmal bewegen zu wollen. Besser man trägt kleinere Mengen und macht mehrere Runden.

Ein Fall für den Betriebsarzt

Wenn Beschäftigte regelmäßig größere Lasten manuell handhaben müssen, muss gewährleistet sein, dass sie dafür körperlich geeignet sind. Eine Untersuchung durch den Betriebsarzt kann dies abklären. Auch bei der Unterweisung über richtige Hebetechniken kann ein Mediziner Hilfestellung leisten und die Beschäftigten entsprechend anleiten. Eine Erkrankung im Wirbelsäulenbereich resultiert unter Umständen in einer Berufskrankheit. So ist etwa die „Bandscheibenbedingte Erkrankungen der Lendenwirbelsäule durch langjähriges Heben und Tragen schwerer Lasten“ von der Bundesregierung anerkannt und wird in der Liste der Berufskrankheiten geführt. 

Arbeitgeber in der Pflicht, Beschäftigte im Dialog

Arbeitgeber sind angehalten, die Arbeitsprozesse innerhalb ihres Betriebes zweckmäßig zu organisieren. Die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten darf zu keinem Zeitpunkt gefährdet sein. Der Gesetzgeber betont explizit den Schutz der Lendenwirbelsäule. Als ideal wird in diesem Zusammenhang die gemeinsame Lösungsfindung betrachtet. Bei dieser ermitteln Unternehmer und Beschäftigte die für den jeweiligen Betrieb geeigneten Maßnahmen gemeinsam und setzen diese um. Geschulte Mitarbeiter können in der Regel gut beurteilen, welcher Vakuumheber der Richtige ist. Gemeinsam kann man überlegen, ob der Schlauchheber ausreicht, oder ein leistungsfähigeres Modell angeschafft werden sollte.

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